28. August - 20. September 2026
Ignacio Uriarte, Three Stellar Squares, 2024 Ignacio Uriarte, Small Doors, 2024
Bürokratie prägt unseren Alltag durch Formulare, Stempel, Aktenordner, Raster und
Tabellen. Sie erzeugt Ordnung, Kontrolle und angebliche Neutralität; zugleich aber auch Monotonie, Entfremdung und institutionelle Erstarrung. Die Ausstellung "IGNACIO URIARTE. Nach allen Regeln der Kunst" nimmt diese Ambivalenz zum Ausgangspunkt und widmet sich der Frage, wie sich die ästhetischen Dimensionen administrativer Systeme künstlerisch sichtbar machen lassen.
Für das Häselburg-Jubiläum entwickelt einer der bedeutendsten spanischen Konzeptkünstler, Ignacio Uriarte, eine neue Ausstellung, in der die Bürokratie als kulturelles, epistemisches und ästhetisches System sichtbar gemacht wird. Ausgehend von alltäglichen Bürogesten, Formularen, Rastern und standardisierten Materialien erzeugt Uriarte präzise Zeichnungen, serielle Strukturen und minimale Interventionen, die die Logik und Abstraktion administrativer Prozesse offenlegen.
Ignacio Uriarte, Black Rhombusses, 2023 Ignacio Uriarte, Untitled (Square Overlay R1), 2020
Seit vielen Jahren erforscht Uriarte die Routinen, Materialien und Mikrogesten administrativer Arbeit. Er arbeitet ausschließlich mit den Dingen, die den Büroalltag prägen: Mit fast leergeschriebenen Kugelschreibern oder Finelinern, Schreibmaschinen, zerknülltem Papier, Ringordnern, Linealen etc.. Mit Finelinern kritzelt er auf der Grundlage einer Excel-Tabelle, in der er das Wachstum und die Ausdehnung geometrischer Formen berechnet hat, Kreise, Vierecke oder Rhomben auf Papier. Den akzelerierenden Formen liegt ein kinetischer Rhythmus zugrunde, der in vertikale, diagonale oder kreisförmige Bewegungen überführt wird und somit mathematische Berechnung in ein visuelles Erlebnis verwandelt. In anderen Arbeiten faltet Ignacio Uriarte Papier und komponiert es an der Wand zu einer großen Installation oder aber er ordnet Ringordner mit zerknülltem Papier zu einem großen Kreis im Ausstellungsraum. Eine Videoarbeit zeigt etwa auf der Höhe eines Papierkorbs das endlose Fallen zusammengeknüllter Blätter – ein leises, fast meditatives Bild für das Scheitern, das Weitermachen und die produktive Kraft des Immergleichen. In seinen Schreibmaschinenzeichnungen verwandelt sich die Schreibmaschine von einem Werkzeug der Schriftproduktion in ein Instrument bildnerischer Gestaltung: Aus der seriellen Wiederholung von Zeichen wie Schrägstrichen, Gleichheits- oder Prozentzeichen entwickeln sich in der Überlagerung eigenständige visuelle Kompositionen. Verdichtung und Auflösung, Rhythmus und Struktur prägen diese Arbeiten: Die Zeichen wachsen zu pulsierenden Oberflächen an und erzeugen eine Wahrnehmung, die zwischen optischer Irritation und körperlicher Erfahrung oszilliert.
Uriarte bewegt sich souverän zwischen Video, Zeichnung, Wandinstallation und Klang. Ausgangspunkt seiner künstlerischen Praxis sind die repetitiven Strukturen administrativer Arbeit: Monotonie, Routinen, Ordnungssysteme und scheinbar unspektakuläre Handgriffe werden von ihm in präzise gesetzte ästhetische Formationen überführt. Dabei dient die Büroarbeit nicht lediglich als Motiv, sondern als konzeptuelles Material, dessen inhärente Logiken von Wiederholung, Serialität und Regelhaftigkeit sichtbar gemacht werden.
Indem Uriarte alltägliche Gesten verdichtet und aus ihrem funktionalen Kontext löst, macht er die verborgenen Rhythmen und Strukturen moderner Arbeitswelten erfahrbar. Die gewöhnlich als banal, mechanisch oder unsichtbar geltenden Handlungen der Bürokratie erhalten dabei eine unerwartete sinnliche Präsenz, die ihn in die Nähe der Konkreten Kunst rückt.
Ignacio Uriarte, Red Arches, 2024 Ignacio Uriarte, Red Concentric Triangles, 2024
Ignacio Uriarte (1972, Krefeld) ist ein spanisch-deutscher Konzeptkünstler, der seit vielen Jahren die Routinen, Materialien und Strukturen des Büroalltags künstlerisch reflektiert und in poetischen Werken sichtbar macht. Uriartes Arbeiten wurden international in renommierten Institutionen präsentiert, darunter The Drawing Center New York, La Casa Encendida Madrid; MARCO Vigo; Mies-van-der-Rohe-Pavillon
Barcelona; MUSAC León; Berlinische Galerie, Berlin; Kunsthalle Wien; Albertina
Museum Wien; S.M.A.K. Gent, Perth Institute of Contemporary Arts, UMOCA Salt Lake City, IVAM Valencia, Haus der Kulturen der Welt, Berlin; MNBA Museo Nacional de Bellas Artes, Buenos Aires, Kunstmuseum Krefeld, MACBA Barcelona u.a.
Gefördert durch die Kulturstiftung Thüringen, das spanischen Kultusminsterium im Programm PICE/ACE und die Sparkassenversicherung.
Fotos © Ignacio Uriarte
NGfZK - Neue Galerie für
Zeitgenössische Kunst
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Donnerstag : 12.00 bis 14.00 Uhr
Sonntag: 15.00 bis 17.00 Uhr
(Die Öffnungszeiten gelten nur während der Laufzeiten
der Ausstellungen.)
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